Zum diesjährigen kommunalpolitischen Workshop der Freien Wähler hatte der Kreisverband nach Osterburken ins Römermuseum eingeladen. Zahlreiche Mitglieder und Interessierte aus dem ganzen Landkreis sind dieser Einladung gefolgt und hatten einen interessanten Vormittag mit Impulsredner Thomas Ludwig und anschließender Podiumsdiskussion.

Kreisvorsitzender Bruno Herberich begrüßte die Teilnehmenden und bedankte sich im Vorfeld bei Erwin Knörzer-Ehrenfried und den örtlichen Freien Wählern für die Organisation sowie bei Tamara Zimmermann vom Römercafé für die Bewirtung.

Mit einem kurzen Ausblick auf die bevorstehende Veranstaltung des Freien Wähler Tages in Konstanz begann der erste Teil des Workshops mit einem Impuls durch Bürgermeister Thomas Ludwig (Seckach) zum Thema „Was bewegt die kommunale Familie aktuell und was sind die künftigen Herausforderungen?“

Sehr kurzweilig und vielseitig gestaltete Thomas Ludwig schwere und zugleich wichtige Themen der heutigen Gesellschaft und sprach deutlich von einem gesellschaftlichen Wandel, der viele – leider nicht nur schöne – Gesichter hat. So lässt sich heutzutage erkennen, dass vermeintliche Vorbilder ungestraft davonkommen und die Basis diesem falschen Handeln und Tun nacheifert. Persönlichkeitsrechte werden – vor allem in den Medien – mit den Füßen getreten und somit leidet das gesellschaftliche Klima bzw. Leben. Egoismus wird lauter und ein ungehemmtes Anspruchsdenken wird stetig größer – ganz nach dem Motto „Mir ist kein Opfer zu viel, das mein Nachbar für mich bringt!“. Thomas Ludwig signalisiert deutlich, dass diese negativen Veränderungen immer mehr in unseren Kommunen ankommt und die Bediensteten der Rathäuser oftmals mit diesen Problemen zusätzlich konfrontiert werden. Zusätzlich kommen stetig neue bzw. weitere Themenfelder als Hauptaufgaben in den Rathäusern hinzu, welche noch vor Jahren unvorstellbar waren. So beschäftigen sich Rathäuser, intensiver als vor Jahren, mit Themen wie dem Gesundheitswesen, Breitband und Mobilfunkausbau, der Mobilität, Kinder-  und Schulbetreuung, der Energiewende, dem Natur- und Umweltschutz (Waldschäden, Abfallsystem und Bauleitplan), der Entwicklung von Wohnbau- und Gewerbeflächen, der Daseinsversorgung (Feuerwehr, Wasser und Abwasser), der Integration von Neubürgern, dem Fachkräftemangel und zahlreichen anderen Problemen. Und damit das noch nicht genug ist, sind stetig neue Vorschriften und umfangreichere Standards einzuhalten und die Kosten sollen im Rahmen des Möglichen bleiben. Oftmals eine prekäre Situation zumal man das Gehör der Bevölkerung nicht vergessen/unterschätzen darf.

Und dennoch versichert Thomas Ludwig, dass er nach 18 Jahren im Amt alles andere als müde ist und ihn die Vielzahl der Aufgaben und Herausforderungen motiviert, dem Gemeinwohl das Bestmöglichste zu ermöglichen.

Bruno Herberich danke im Anschluss an diesen Impuls Herrn Thomas Ludwig und nach einer kurzen Pause mit interessanten Gesprächen zwischen den Teilnehmenden folgte die Podiumsdiskussion.

Die Podiumsdiskussion wurde moderiert durch den Vorsitzenden Bruno Herberich. Gäste waren der Landrat des Neckar-Odenwald-Kreises, Dr. Achim Brötel, Bürgermeister aus Seckach Thomas Ludwig und Neugemeinderätin Jenny Damico aus Hardheim.

Als Einführungsfrage durften Dr. Achim Brötel und Thomas Ludwig erläutern, was sich persönlich aber auch kommunalpolitisch verändert. So veranschaulichte Landrat Dr. Achim Brötel deutlich, dass die Spielräume des Handelns und der Umsetzung immer kleiner werden, die Erwartungshaltung der Bevölkerung jedoch steigt. Auch „Der Tonfall wir rauer“, das muss man gerade in der letzten Zeit leider häufiger feststellen. Thomas Ludwig fügte noch hinzu, dass die Termindichte und die Anzahl der zu bewerkstelligen Themen stetig steigt.

Einen anderen Einstieg in die Podiumsdiskussion bekam Jenny Damico. Bruno Herberich wollte von ihr Wissen, was sie bewogen hat überhaupt sich aufstellen zu lassen. Ein Mitwirken am politischen Leben, aber auch in den Vereinen ist heutzutage keine Selbstverständlichkeit mehr. Jenny Damico bekam in ihrer Gemeinde hautnah mit, dass Kandidaten gesucht wurden. „Jeder beschwert sich immer, aber kein tut etwas dafür“. Ihre Art Danke zu sagen und Verantwortung zu übernehmen, war ihre Kandidatur. Jenny Damico ist mit voller Herzblut dabei. Ihr war schon immer wichtig sich zu engagieren – „es ist toll mitgestalten zu können“.

„Warum soll sich jemand engagieren?“

Hier veranschaulichte Thomas Ludwig deutlich, dass wir es in der Hand haben, wie wir unser Wohnumfeld im Rahmen des möglichen gestalten können und Landrat Dr. Achim Brötel fügte nur hinzu „Wenn wir nichts tun, werden wir gestaltet“.

Ein weiterer Themenbereich der Podiumsdiskussion umfasste die Öffentlichkeitsarbeit. Moderator Bruno Herberich stellte die Frage, in welchem Umfang Öffentlichkeitsarbeit – insbesondere mit den neuen Sozialen Medien – betrieben werden sollte. Jenny Damico ist sich sicher, dass Öffentlichkeitsarbeit auch mit den Sozialen Medien wichtig ist, jedoch der direkte Kontakt zu der Bevölkerung wichtiger ist. Das Verständnis zu zahlreichen Problematiken ist größer, wenn in einer Diskussion von Auge zu Auge alle Sichtweisen erläutert werden. Unmut kann oftmals direkt im Kern erstickt werden. Auch Dr. Achim Brötel ist dieser Auffassung, denn die Hemmschwelle ist in den Sozialen Medien deutlich niedriger als bei einem persönlichen Gespräch. Auch Thomas Ludwig teilte diese Auffassung und fügte hinzu, dass er in direkten Gesprächen mehr über die Belange der Bevölkerung erfährt, als über die Öffentlichkeitsarbeit/Sozialen Medien.

Dr. Achim Brötel fügt an, dass bei Entgleisungen in den Sozialen Medien auch eine klare Haltung der Betroffenen gefragt ist, denn wir haben eine Vorbildfunktion.

Verändert sich die Gesellschaft?

Die Mehrheit der Bevölkerung lebt und handelt nach dem christlichen Menschenbild. Lediglich eine Minderheit kennt keine Grenzen, wird persönlich und stellt Forderungen. Diese werden lauter und zunehmend aggressiver, so Thomas Ludwig. Jenny Damico fügt noch hinzu, dass dies zwar abschreckend ist, allerdings appelliert sich zu mehr Toleranz und Verständnis.

Der Wohlstand steigt, ist ein gesellschaftliches Um- bzw. Nachdenken erforderlich? Eine weitere interessante Frage, die der Moderator den Podiumsgästen stellen durfte.  Dr. Achim Brötel meinte deutlich, dass man – trotz der zahlreichen Probleme – auch mal das positive in den Vordergrund rücken darf. Wir können stolz sein, auf das, was wir in den letzten Jahren erarbeitet haben. Jenny Damico fügte hinzu, dass die Gemeinden einfach nicht für alles verantwortlich sein können und Thomas Ludwig forderte eine Unterstützung derer, die sich engagieren, da die Wertschätzung für eine Arbeit größer sei, wenn selbst Handangelegt wurde.

Nun waren die Workshopteilnehmer gefragt und durften die Podiumsgäste mit Fragen löchern.

Eine Frage richtete sich an Thomas Ludwig und Dr. Achim Brötel, wie das Problemkind Bahn weiter auf die Füße geholfen werden soll. Hier teilten beide mit, dass in der kommenden Zeit ein Bürgerdialog in der Volkshochschule in Neckarsulm geplant sei. Eine Einladung stehe allerdings noch aus. Dr. Achim Brötel forderte, dass die einbehaltenen Vertragsstrafen auch dem Landkreis zugutekommen sollen. Eine andere Frage beinhaltete den Glasfaserausbau. Hier teilte Landrat Dr. Achim Brötel mit, dass der Glasfaserausbau weitergehen wird. Hier stehen neue Gespräche, Planungen und Vergaben ins Haus. Auch der Gemeindewald und die damit zusammenhängenden Folgen der Trockenheit und des Käfers wurden kurz angesprochen.

Im Anschluss an die Fragerunde der Workshopteilnehmer wollte Bruno Herberich von den Podiumsgästen wissen, was sie sich wünschen würden, wenn sie bei ihren kommunalpolitischen Aufgaben einen Wunsch frei hätten. Thomas Ludwig wünschte sich, dass er mehr Unterstützung bei der Bewerkstelligung der Pflichtaufgaben bekommt, Jenny Damico erhoffte sich, dass Menschen mehr mitgenommen und für eine Sache begeistert werden können und Landrat Dr. Achim Brötel, wünscht sich bei manchen Themen und Aufgaben etwas mehr Freiraum.

Abschließend und mit einem Präsent für die Podiumsgäste wollte der Moderator wissen, was der Weltfrauentag am 08.03. für jeden einzeln bedeutet. Dr. Achim Brötel meinte, dass noch immer ein Nachholbedarf in der Gesellschaft vorliegen würde und uns dies bewusster werden muss. Thomas Ludwig fügte hinzu, dass der Weltfrauentag eine Holschuld sei und wir noch mehr für die Gleichberechtigung tuen müssten und Jenny Damico meinte nur, dass man das Geschlechterdenken aufgeben müsse.

(Kathrin Klohe, Schriftführerin)


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